Über den Podcast

Die Philosophie des Podcastens

Schon Aristoteles war klar, dass ein öffentlicher Platz als locus publicus (= öffentlicher Platz), immer dann vorhanden war, wenn dieser es vermag jenen Raum einzunehmen, der die Redemächtigen unter jedweder Angelegenheit ihrer Polis, in offener wie freier Rede, plausible Argumente über die Stadt und Staat hervorbringen konnte. Die damit institutionalisierte Umgebung war die Grundbedingung von politischer Sicht und möglich geistigen Handelns; allein durch die manifestierte offene Rede, im Diskurs jedes Bürgers. Diese Etablierung im Sinne der Urbanität, brachte mit Blick auf das Gemeinwohl die Diskursgemeinschaften, aber auch die Trennung zwischen pólis (dem öffentlichen) und des privaten (oikonomía), als eigenständige Haltung hervor. 

Diese Form der Öffentlichkeit, als Prinzip einer Solchen, ist rückführend noch immer Teil unserer heutigen durch die der Antike hervorgebrachten Architektur, deren Ort der Rede, offenes Handeln, frei zugängliche Feiern, aber auch den Markt bestimmen. Im Laufe der Geschichte hat sich der öffentliche Sprachgebrauch Stück-für-Stück geändert und sich jeweilig, nach gesellschaftlichen Erfordernissen angepasst. So haben wir heute viele Formen freier Rede, wie etwa der Gerichts-, Beratungs-, Gedenk- oder etwa der Festrede. Die wohl wichtigste Rede jedoch, war und ist die zwanglose Kommunikation. Vor allem in Tabernen oder aber auch den Bibliotheken war sie ein wichtiges Gut zu Pflege des Gemeinen und existiert bis heute. Diese besonderen Ausdrucksformen waren zur Identifikation und Teil der Sozialisierung jedes Bürgers wesentlich, die so abermals Denkweise des Ethos und deren Sozialbeziehungen unterlagen, wie die im Sinne der Gemeinschaft welche unter Kommunikationsregeln mit ihren Werten und Traditionen handeln [M.C.; 2012-A].

Podcast ist damit in der Welt: weil es unsere gemeinschaftliche Rede von Kommunikation darstellt; gleichwohl weniger aus rein technischen Gründen!

— Michael McCouman Jr. (M.C.; 2006 Paris, Vortrag: Netcast – Die freie Kommunikation)

Auch im Podcast haben wir gleiche Konstrukte geschaffen, die etwa Kult- oder Kulturbezogenheit, aber auch Handlungsweisen von Gedanken, Handeln, Treffen und Zusammenleben; sich gleichwohl im Erkennen eines Jeden widerspiegeln. Diese Topologie ist exemplarisch für heutige Gesellschaften und so haben sich im Podcast ebenfalls Schnittpunkte und rhetorische Spielräume entwickelt, wie es sie auch einst in der athenischen Agora oder sie im Forum Romanum gab. Doch auch hier gilt nach Demokrit: veritas est in puteo (= „die Wahrheit ist ein Tier“).

Eine Philosophie und das Philosophieren darüber…

Doch was ist eigentlich Philosophie? Diese Frage ist sicher sehr philosophisch und eben deshalb, ungleich kurz zu erklären. Was sie tut, ist da sicher nicht einfach. Versuchen wir es dennoch einmal: Philosophie deckt Fragen auf und versucht Sie im Gleichen aus ihrer zeitlichen Sicht zu betrachten. Anders als die Naturwissenschaft die nach dem Wie fragt, will die Philosophie als Wissenschaft über die Wissenschaften das Warum klären. Das Fragen, ist genau das Motiv von philosophischer Tätigkeit. Schon Aristoteles sagte: „Mit dem Staunen beginnt die Philosophie“. Doch nur wenig Menschen gehen über diese Grundannahme des Fragens hinaus. Der Grund schein einfach. Denn sie wissen nicht wie. Dafür benötigt es eine Strategie und nicht zuletzt Einordnung, Wissen und eine Methode. Also eine besondere Taktik, damit Techniken, und das Wissen um die Methoden die zur Anwendung gebracht werden müssen. Der Hintergrund dafür liegt in der Tatsache gebunden, dass Philosophinnen und Philosophen, nicht einfach über die Welt nachdenken: Sie denken über: „das Denken über die Welt“ nach [1] (Klostermann 18; 1984 FaM / S21/u) – wie es der US-amerikanische Philosoph Jay Frank Rosenberg einmal treffend beschrieb. Das Ergebnis ist also nicht einfach eine neue Herangehensweise an die Tatsachen, sondern eine neue Klarheit darüber, was Tatsachen eigentlich sind:

Denn das Wissen, auf das der Philosoph abzielt, ist nicht wie praktisches Wissen eine Voraussetzung für Handeln. Es ist ein Wissen um die Vorbedingungen jenes Wissens, das unser Handeln bestimmen kann.

— Jay F. Rosenberg (Klostermann 18; 1984 FaM / S21-22/o) [1]

Philosophieren über Net- und Podcasts

Schon 2006 wurde mir klar, dass Netcasts (heute: Podcasts) eine tragende Geschichte in der Welt der Kommunikation bekommen wird: „Wenn fast alle podcasten; dann haben wir die Welt als Kommunikation“. Denn was Menschen denken, welche Interessen sie haben und für welche Themenfelder sie sich interessieren – wird ohne zu Frage – mittels Podcasts einer ganzen Gesellschaft offengelegt. Ich war schon frühe der Idee gefasst, dass Podcast von großer wissenschaftlicher Bedeutung sei. Ein Nährboden für viele Sichtweisen, gesellschaftlicher Aufarbeitungen und Handlungen. Eine Punkt, warum Podcast unweigerlich interessant für Soziologen*innen, Psychologen*innen und Philosoph*innen sein sollte und mittlerweile, auch geworden sind. Leider gilt hier auch der Gegensatz von Verstehen. Wer seine eigene Geschichte nicht kennt, weiß nicht, wer er oder was sie ist. Die Geschichte über Podcast fängt nicht in der Eintragung von Wikipedia an. Wer sich selbst verstehen will, braucht auch die Kenntnis seiner eigenen Zeit. War Podcast immerhin vom Anfang – über den Feed – status controversiae (der Streitlage) aller Netcaster jener Zeit. Ein puncti (= Streitpunkt) der klar, nicht in der Wikipedia verfasst wurde; aber sicher immer noch gilt. Denn auch hier bleibt bestehen: Contra negantem principia non est disputantum (= „mit einem, der die Anfangssätze bestreitet, mit jenem ist nicht zu streiten“).

Ist Podcast handeln als Essenz von Kommunikation?

Aber wenn „alles Kommunikation ist“ [2] und wir eben „nicht, nicht kommunizieren“ [3] können, dann geben wir selbst nicht nur Information, Wissen und Ideen über etwas, sondern vor allem über uns selber preis und eben das, kann unsere Gesellschaft auf kurz oder lang in Ihren Grundfesten verändern. Und so werden Fragen zur Moral und ethischen Handeln [4] innerhalb des Podcastens wichtiger werden. Es ist nun einmal eine Grundlage des Kapitalismus [5], dass er alle Kommunikation für sich beansprucht. Sicher ist damit Innovation und Fortschritt einhergegangen. Ob damit nun auch Kommunikation besser wird, ist jedoch fraglich und liegt letztlich an der Entscheidung, die sich die Podcaster und Podcasterinnen am Ende selber geben.

Was fehlt kann nicht erzeugt werden!

Es ist fraglich was richtig oder falsch ist. Ist Kultur etwa immer richtig? Sicher nicht! Das wäre zumindest aus meiner Sicht viel zu einfach gedacht. Podcast braucht jedoch Haltung, um in der Zukunft nicht einfach ausgenutzt und nach kapitalistischen Verwertungspunkten entstellt zu werden. Doch welche Haltung ist die richtige? Gibt es überhaupt so etwas, was hier richtig sein kann? Was ist Kultur eigentlich in dem Kontext und entsteht sie einfach durch podcasten selbst? Ändern sich hier etwa die Ansichten bekannter Episteme (Wissen) gegenüber der sinnvollen Handlung [nicht weniger Weisheit]? Schauen wir zur jetzigen Zeit in die Podcast-Szene, so würden wir mit Entsetzen feststellen, dass uns der Sinn so langsam abhanden gekommen ist. Was passiert wenn Kommunikation so offen ist, wie es uns Podcast ermöglicht? Ist das eine Freiheit der Rede? Eine Offenheit, philosophischen Dissens und der freien Teilhabe an Ihr? Kann dann eine gefühlte Meinung, nicht auf einmal mehr zählen, als jede Wissenschaft? Womöglich durch die Teilhabe, Grenzen perzeptiver Erkenntnisse überspannt werden. Was müssen oder können wir ad hominem (= auf den Menschen bezogen) tun damit Kommunikation, auch ad hoc (= angemessen, zur Situation passend) für den „Mensch“ gedacht und bestrebt bleibt?

Die Podcasten Ethik

Ich bin mir sicher: es braucht eine Ethik [6]. Doch bevor wir diese niederlegen, sollte doch erst einmal ein Blick auf die moralische Anforderung geworfen werden – die sie womöglich, ebenso braucht. Denn was ist Podcasten eigentlich? Was macht es aus? Was ist eine Szene – wo will sie hin? Was ist in Ihr und im Podcast erlaubt? In dieser Sendereihen: „Der Podcast Philosoph“ lade ich Menschen ein, mit tollen Ideen und Projekten. Ich möchte mit Ihnen darüber zu reden. Ich möchte ganz klassisch und der Philosophischen Idee zu Grunde, ein wenig mehr den Finger in die eigene Wunde legen. Doch ganz so tiefsinnig soll es dann auch nicht einhergehen. Ganz anders also als hier wohl schon vermerkt, werde ich mich mit einem Gast je Episode einem Thema zuwenden, dass ich glaube, das es notwendig ist – beleuchtet zu werden. Noch wurden aus Podcasts kein Werbebotschafter schlecht hin. Doch auch das wird sich ändern. Was bleibt dann noch? Wie verändert sich die Szene, das Verhalten der Rezipienten? Was ad rem (= auf die Sache Bezug nehmend) ist wirklich wichtig an einem Podcast. Wird es irgendwann nicht nutzloser hingegen heutiger Medien, zu einem Technikum oder gar ex concessis (= „aufgrund der Einräumung anderer Sichten/des Gegners“) zu einem alleinigem Spielball, kommerzieller Interessen?

Zitierungen

  1. Zitate von Jay F. Rosenberg: https://en.wikipedia.org/wiki/Jay_Rosenberg
  2. Systemtheorie nach Niklas Luhmann: https://en.wikipedia.org/wiki/Niklas_Luhmann
  3. Die 5 Axiome nach Paul Watzlawick: https://en.wikipedia.org/wiki/Paul_Watzlawick, Axiome: https://www.paulwatzlawick.de/axiome.html
  4. Ethik und Moral: https://en.wikipedia.org/wiki/Ethics, Immanuel Kant: https://en.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant
  5. Zum Kapitalismus: Adam Smith: https://en.wikipedia.org/wiki/Adam_Smith, Friedrich Engels: https://en.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Engels, Karl Marx: https://en.wikipedia.org/wiki/Karl_Marx, Ludwig Feuerbach: https://en.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Feuerbach
  6. Titel der noch andauernden Ausarbeitungen zur „Podcast-Ethik“ phil. Werk „Die Philosophie des Podcastens“ (2006-2022) von McCouman.

[M.C.-<Angaben>] Sind Ausschnitte aus Vorträgen, Essays und Ausarbeitungen nach 2006. Darunter sind Teile von Ideen, Hypothesen und Vorträgen. Einige sind Ausschnitte der Einleitung aus: Die Philosophie des Podcastens (1. Band, ws. 2023), Teile sind zum Themenfeld: Verhalten und Massenwahrnehmung aus dem 2. Band: „Die Psychologie des Podcastens (2012-2020; ws. 2024)“. Einzelne Analysen zur Sozialpsychologie werden ebenfalls im neuen Buch: „Digital Verblödet – Denksport für echte Demokraten: Wie uns Werbung verblendet, manipuliert und verkauft„, welches zum Ende 2022 erscheinen soll.

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